Jolly Days of Julia

Julia Bernhard came onto the scene in 2019 as a complete surprise. Her episodic graphic novel WIE GUT, DASS WIR DARÜBER GEREDET HABEN not only thrilled me, but was also awarded the Max-und-Moritz Prize for the best German-language comics debut in 2020.

In her work, the cartoonist captures the paradoxical speechlessness of our communication society with a satirical sophistication reminiscent of the German comedy star Loriot. With cool, expressive graphics, Bernhard has people going crazy in the office, relationships ending at organic burger diners – and cats are rioting in grandma’s salon.
No one caricatures the modern horror of our saturated lives as aptly as Julia Bernhard.

Julia Bernhard trat 2019 völlig überraschend auf die Szene. Ihr Episodencomic WIE GUT, DASS WIR DARÜBER GEREDET HABEN begeisterte nicht  nur mich, sondern wurde 2020 mit dem Max-und-Moritz-Preis für das beste deutschsprachige Comic-Debüt ausgezeichnet.

Die Zeichnerin fängt in ihrem Werk die Sprachlosigkeit unserer Kommunikationsgesellschaft mit einer satirischen Raffinesse ein, die an den großen Loriot erinnert. Mit kühler, expressiver Grafik lässt Bernhard Menschen im Büro durchdrehen, Beziehungen beim Bio-Burger-Essen enden und Katzen in Omas Salon randalieren.

Niemand karikiert den modernen Horror des Wohlstands-Ennui so treffend wie Julia Bernhard.

Julia Bernhard im Electric Comics Club

Pool Alligators / Krokodile im Pool

Making Art the digital way / Kunst am Computer

The artist lives in Berlin and produces her vibrant illustrations on a tablet.
Die in Berlin lebende Künstlerin brilliert mit ausgefeilten Bildern aus dem Computer.

Recurring motif from Julia’s graphic novel / Wiederkehrendes Motiv aus WIE GUT, DASS WIR DARÜBER GEREDET HABEN.

Weitere Werke, präsentiert im Electric Comics Club

A quick talk with Julia /
Das Mini-Interview mit Julia Bernhard

One of your characters, a woman who rants about her boyfriend, utters the delightful line, „I’m the most ro-fucking-mantic person ever.“ I find this very funny for two reasons. First, because you have „romantic“ and „fucking“ colliding in the same word, and second, I applaud your phrase: „rofuckingmantic.“ Do you know people who talk like that? Do you talk like that?


Well, in the heat of the moment, it can happen that I say „rofuckingmantic“. I actually try to use more decent language, but sometimes it just slips out.

Eine deiner Figuren, eine Frau, die über ihren Freund ablästert, äußert den herrlichen Satz: „Ich bin der romantischste Mensch überfuckinghaupt.“ Das finde ich aus zweierlei Gründen sehr lustig. Erstens weil du „romantisch“ und „fucking“ in einem Satz kollidieren lässt und zweitens der Neolgismus an sich: „überfuckinghaupt“. Kennst du Menschen, die so reden? Redest du etwa so?

Wenn ich sehr erregt bin, kann es durchaus passieren, dass ich auch mal „überfuckinghaupt“ sage. Ich bemühe mich eigentlich um eine etwas anständigere Sprache, aber manchmal rutscht es mir einfach raus.

In your diner story „Cheese Nachos“ you present stories in the background: other couples who also meet in that bistro and negotiate their affairs. The narrator of the main story, whom you show us only in subjective camera, lets her gaze wander around the room and perceives more than just the friend she’s talking to. You contrast the dialogue of the main characters with silent dramas and silent players in the background. I find this superclever, but wonder if you are a social voyeur.

Yes, very bad. I love public transportation. I love it. And pubs: I can just sit around for hours and eavesdrop on people in a very creepy way.

Mir fiel auf, dass du in deiner Kneipengeschichte „Käsenachos“ noch Nebengeschichten präsentierst. Im Bildhintergrund zeigst du uns noch andere Paare, die sich ebenfalls in der Kneipe treffen und dort ihre Angelegenheiten verhandeln. Das wirkt, als ob die Erzählerin der Hauptgeschichte, die du uns nur in subjektiver Kamera darstellst, ihren Blick durch die Umgebung schweifen lässt und somit mehr wahrnimmt als nur ihr Gegenüber. Du erweiterst den Dialog der Hauptfiguren durch stumme Dramen im Hintergrund. Ich finde das superclever, frage mich aber, ob du eine Sozialvoyeurin bist.

Ja, ganz schlimm. Ich liebe öffentliche Verkehrsmittel. Ich liebe sie. Und Kneipen: Ich kann mich da stundenlang nur reinsetzen und Menschen auf eine ganz creepy Art belauschen.

When your narrator enters into fictional dialogues with her pet, her potted plant, or even her toaster, your work takes on a tragicomic dimension. Subtle humor needs a balance. The comedy of life is being mirrored through drama, otherwise no satirical effect sets in, does it?

The real dramas take place in real life. It has to hurt a little – otherwise it wouldn’t be fun. Right?

Wenn deine Erzählerin in fiktive Dialoge mit ihrem Haustier, ihrer Topfpflanze oder sogar ihrem Toaster tritt, bekommt dein Werk auch eine tragikomische Dimension. Wahrscheinlich braucht es diese Fallhöhe. Zum Komischen gehört eine Spiegelung durch das Drama, sonst stellt sich kein satirischer Effekt ein, oder?

Die wahren Dramen spielen sich im richtigen Leben ab. Es muss auch ein bisschen weh tun – sonst hat es keinen Spaß gemacht.

(Die Fragen und Antworten sind gekürzte Auszüge aus einem ausführlichen Interview, das auf YouTube zu finden ist – „Ausgefragt: Julia Bernhard“ https://www.youtube.com/watch?v=S-Yg8-OoiqY)